Normalerweise sind Leibnitz Butterkekse eine sehr brüchige Angelegenheit. Die Leibnitzer Judoka präsentierten sich in der 6. Bundesliga-Runde hingegen eher "knack frisch".
"Wir wollen Niederwaldkirchen erhobenen Hauptes verlassen", kündigte ihr Trainer Norbert Wiesner an. Das ist den Südsteirern gelungen.
Der Aufsteiger, der ohne den kroatischen Grand-Slam-Sieger Tomislav Marijanovic (Wiesner: "Er ist in einem Trainingslager in Russland") dafür mit "Import-Japaner" Toshihide Nakamura aufkreuzte, schnupperte gegen den Rekordmeister an der Sensation.
Das spürte auch Wiesner, der mit seinem emotionalen Coaching, das ihm bei den Niederwaldkirchner Zuschauern den liebevollen Beinamen "Rumpelstilzchen aus dem Kernölland" einbrachte, ordentlich Feuer in die Partie brachte. Letztendlich reichte es allerdings nicht.
Shala beweist "Beißer"-Qualitäten
Mitverantwortlich dafür, dass am Ende doch die Mühlviertler jubelten, war Driton Shala.
Der 66-Kilo-Mann musste aufgrund der Erkrankung von Georg Reiter ein Mamut-Programm herunterspulen.
Nach zwei Kämpfen in der zweiten Bundesliga musste der Gramastettner auch noch in der ersten Mannschaft ran.
Nach einer Niederlage gegen Wirbelwind Nakamura durchkreuzte er mit einem Yuko-Sieg über Dominik Lang die Aufstellungsrochade Wiesners, der Nakamura in die Klasse bis 73 kg hinaufzog.
"Dabei bin ich heute überhaupt nicht gut hinein gekommen", berichtete Shala, "bereits in der zweiten Bundesliga hatte ich leichte Kreislauf-Probleme." Doch der U20-Nationalteamkämpfer biss erfolgreich die Zähne zusammen.
Scharinger und Schaubmayr jeweils 1:1
Nakamura machte indes auch bis 73 kg gegen Peter Scharinger seinen Punkt.
"Schade, denn im Griffkampf hatte ich zum Schluss schon das Sagen", ärgerte sich der Pürnsteiner, der aus einem Eri-Seoinage heraus gekontert wurde. In Durchgang eins hatte der 24-Jährige Stephan Ribitsch mit Yoko-tomoenage ipponisiert.
Für Spannung sorgte der Leibnitzer Benjamin Ogertschnig, der bis 81 kg überraschend Rene Schaubmayr mit einem O-goshi Ippon abschmierte. Der "Ranger" revanchierte sich im zweiten Durchgang, drückte dem Kärntner zunächst drei Shidos aufss Auge, ehe er in Yuko warf und anschließend festhielt.
Verletzung bei Allerstorfer
Durch das Fehlen von Marijanovic ging die Serie von Albert Fercher ungefährdet weiter. Der Lackener fertigte bis 90 kg sowohl Phlipp Ackerl als auch Gernot Fröhlich mit Ippon ab und ist damit auch weiterhin der einzige Kämpfer der Bundesliga, der alle bisherigen Kämpfe (mittlerweile zehn) vorzeitig für sich entschieden hat.
Eine Hiobsbotschaft gibt es hingegen im Schwergewicht. Daniel Allerstorfer zog sich bei seiner Niederlage (durch Soto-make-komi) gegen Slowaken-Legionär Zoltan Palkovacs eine Schulter-Verletzung zu. "Ich bin unglücklich mit der Schulter eingespitzelt", meinte ein niedergeschlagener Allerstorfer.
Ein Remis für die Statistik
Durch den Ausfall Allerstorfers rückte Legionär Przemyslaw Matyjaszek von der 100-Kilo-Klasse ins Schwergewicht nach. Gegen Palkovacs hatte der Pole bisher eine miese Bilanz.
Die bisherigen zwei Duelle gingen zu Gunsten des Leibnitzers aus. Diesmal hatte Matyjaszek aber die besseren Szenen, war bei einem O-uchi-gari am Yuko dran. Letztendlich wurde es aber ein brüderliches Unentschieden.
Ein Unentschieden hatte auch Reini Pühringer (bis 60 kg) fabriziert, der gegen Giuliano Filimon nach einem ungefährdeten Ippon-Sieg (Festhalter) kein Rezept mehr fand.
Eine Kampfansage zum Abschied
Auch wenn es für die Steirer letztendlich zu keinem Sieg reichte, ist ihnen zumindest der Respekt der Gastgeber sicher.
Auch "Rumpelstilzchen" Wiesner wirkte nach dem abschließenden "Shakehands" sichtlich zufrieden und verabschiedete sich mit einer Kampfansage:
Tabelle
Rd.
+/-
Pkt.
1. Union Pinzgau
6
18
10
2. Galaxy Wien
5
31
9
3. UJZ Mühlviertel
5
28
8
4. WSG Wattens
5
-4
5
5. JU Flachgau
4
7
4
6. Multikraft Wels
6
-23
4
7. SU Leibnitz
5
-11
2
8. Samurai Wien
6
-20
2
9. ULZ Hohenems
4
-26
2
Bundesliga, 6. Runde:
UJZ Mühlviertel - SU Leibnitz 7:5
WSG Wattens - Vienna Samurai 10:3
Multikraft Wels - Union Pinzgau 4:10
JU Flachgau - ULZ Hohenems verschoben
Galaxy Wien kampffrei
"Wenn unsere neue Halle fertig ist, haben wir endlich die notwendigen Rahmenbedingungen. Unter anderem einen Kraftraum mit fließend Wasser und vieles mehr." Die Konkurrenz darf sich jedenfalls warm anziehen.
Ja, es tut sich etwas in der Süd-Steiermark. Eine Entwicklung, die wohl der ganzen Liga gut tut. Somit bleibt zu hoffen, dass die Leibnitzer, die nach fünf Kämpfen erst bei einem Sieg halten (Platz sieben in der Tabelle), der Liga erhalten bleiben.